Geschichte

140 Jahre SPD Neuhausen (1876-2016)

Cover der Festschrift 140 Jahre Neuhausen

Anlässlich des 140-jährigen Bestehens der SPD Neuhausen ist 2016 eine Festschrift erschienen

Grußwort

Gegründet am 28. August 1876, als Neuhausen noch eine selbstständige Gemeinde mit einer wachsenden Arbeiterbevölkerung war, hat die Neuhauser SPD alle Höhen und Tiefen der sozialdemokratischen Geschichte erlebt. Denn bereits zwei Jahre nach der Gründung, von 1878 bis 1890, mussten sie wegen des repressiven Sozialistengesetzes zwölf Jahre in der Illegalität leben. Mut und Kraft waren auch in den folgenden Jahrzehnten nötig. Das eben erst übergebene Widerstandsdenkmal am Platz der Freiheit erinnert daran, dass sich die Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten trotz Verfolgung und Ermordung frühzeitig dem Nationalsozialismus entgegenstellten. Nach 1945 wirkte die SPD dann am Wiederaufbau der Stadt und unseres Gemeinwesens mit.

140 Jahre: Ein solches Jubiläum zeigt,dass die Inhalte und Beweggründe, die die damaligen Gründer veranlasst haben, große Risiken auf sich zu nehmen, auch heute noch aktuell sind. Wir vertreten weiterhin das Ziel einer solidarischen Gesellschaft und stehen dafür, dass Freiheit und Gerechtigkeit zentrale Werte bleiben.

Die drei Sektionen der Neuhauser SPD hatten Ende der Zwanzigerjahre bereits über 1400 Mitglieder. Auch im Jahr 2016 sind die beiden Neuhauser Ortsvereine fest in der Gesellschaft und ihrem Bezirk verankert. So bleibt die SPD im Stadtviertel eine Gemeinschaft, in der sich Menschen persönlich begegnen, die auf ihre Mitmenschen zugeht, sich mit den Sorgen und Nöten beschäftigt, miteinander diskutiert und nach Lösungen sucht. Die Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten aus Neuhausen setzen sich so für Demokratie, Gerechtigkeit und Freiheitin unserer Stadt und in unserem Land ein.

Ich danke meinen Genossinnen und Genossen, die sich in der SPD Neuhausen engagieren und in den vergangenen fünf Generationen engagiert haben und gratuliere sehr herzlich zu diesem stolzen Jubiläum.

Dieter Reiter

Oberbürgermeister der Landeshauptstadt München

Die Broschüre ist beim Vorstand erhältlich. Alle Genossinnen und Genossen können sie kostenlos anfordern. Von Nicht-Mitgliedern wird ein Unkostenbeitrag von 4 € erhoben.

Die Neuhauser SPD - Vom Bauerndorf zum Arbeiterviertel

Titelseite

Hier erfahren Sie mehr zur Neuhauser SPD, ihrem Ursprung und der Entwicklung.

Widerstandsdenkmal am Platz der Freiheit

Den Opfern im Widerstand gegen den Nationalsozialismus - Platz der Freiheit

Der Platz der Freiheit in Neuhausen wurde 1946 zu Ehren der „Opfer im Widerstand gegen den Nationalsozialismus“ benannt (seit 1919 hieß er Hindenburgplatz).

Zunächst als Provisorium gedacht, sollte an der Nordostecke ein Granitstein mit der Aufschrift „Den Opfern im Widerstand gegen den Nationalsozialismus“ aufgestellt werden. Aus dem Provisorium wurde eine dauerhafte Installation. Den Platz, geschweige denn den Granitstein kennt aber kaum jemand und der Platz samt Denkmal blieben und bleiben eher unbekannt.

Der Künstler Wolfram Kastner hat sich um eine Neugestaltung des Platzes bemüht. Das Projekt und die Neugestaltung des Platzes soll all jene Frauen und Männer namentlich und sichtbar würdigen, die sich mit hohem persönlichen Risiko und Einsatzbereitschaft, Mut und Entscheidungskraft dem Nationalsozialismus entgegengestellt haben!

Im Beisein von Wolfram P. Kastner (Initiative WiderstandsDenkmal), Karl Freller/MdL (Direktor der Stiftung Bayerische Gedenkstätten und Schirmherr), Dr. Hans-Georg Küppers (Kulturreferent der Landeshauptstadt München), Dr. Jürgen Zarusky (Institut für Zeitgeschichte) sowie Christa Willmitzer (Tochter von Otto Kohlhofer), zahlreicher Genossinnen und Genossen und auch Bürgerinnen und Bürgernwurde das Denkmal 2016 eröffnet.

Die Stelen tragen die Namen folgender Widerstandskämpferinnen und -kämpfer:

  • Franz Fellner (1922-1942) Deserteur, verurteilt und ermordet

  • Emma Hutzelmann (1900-1944) kath. Widerstand, Antinazistische Deutsche Volksfront

  • Sylvia Klar (1885-1942) Pazifistin, Fluchthilfe, ermordet im KZ

  • Max Klar (1875-1938) Verein zur Abwehr des Antisemitismus, Vorsitzender der DFG, ermordet im KZ

  • Walter Klingenbeck (1925-1943) hörte „Feindsender“ und verteilte Flugblätter, hingerichtet

  • Otto Kohlhofer (1915-1988) KJVD, Widerstandsgruppe, Verbreitung von Flugblättern, KZ

  • Ludwig Koch (1909-2002) SAJ, ISK, FT Gern, Verbreitung von Flugblätter und illegalen Schriften, Zuchthaus

  • Michail Kondenko (1907-1944) russischer Kriegsgefangener, Mitglied der Bratskoje Sotrudnitschetswo Wojennoplennych (BSW), ermordet im KZ Dachau

  • Elfriede Löhr (1910-2000) Zeugin Jehovas, organisierte für Bayern die Verbreitung des Protestflugblattes „Offener Brief“, rund 8 Jahre in Haft, davon 6 Jahre im KZ

  • Josefa Mack (1924-2006) illegale Hilfe, Kurierdienst und Versorgung von Häftlingen im KZ Dachau

  • Karl Reisinger (geb. 1906) SAJ, SPD, SAPD Bezirk Neuhausen, Vorsitzender, Flugblätter, Spendensammlung, Gefängnis

  • Karl Schörghofer (1879-1962) evang., versteckte jüdische Personen vor der Gestapo

  • Marie-Luise Schultze-Jahn (1918-2010) Kontakt zur Weißen Rose, Verbreitung von Flugblättern, Geldsammlung, Zuchthaus

Das Projekt des Herrn Kastner und des AK WiderstandsDENKmal wird unterstützt vom Kulturreferat unserer Landeshauptstadt sowie vom Bezirksausschuss 9 Neuhausen-Nymphenburg und dem SPD-Ortsverein Neuhausen.

Mehr Informationen zum Thema Widerstand in Neuhausen und zum Widerstandsdenkmal finden sich auch in der Festschrift "140 Jahre SPD Neuhausen".